Endlich geht's die Eiter aufwärts

Durchgängigkeit in Fließgewässern

Grafik: Dipl.-Ing. Jens Schatz, NLWKN

Vorbei sind endlich die Zeiten, in denen Fischmütter ihren Kindern sagen mussten, dass der Weg die Eiter hinauf zu den vielfältigen Bruch- und Geestbächen oberhalb von Thedinghausen-Eißel für sie versperrt ist: Eine Sohlgleite macht´s möglich.

Das um 1968/69 erbaute Eiterschöpfwerk bildete für Fische und Wirbellose bisher eine unüberwindliche Wanderungsbarriere, weil der Wasserspiegel der Eiter im Sielbereich wie bei einem Wehr bis zwei Meter senkrecht herabfällt.

Da der Flussuntergrund aus statischen Gründen hier auch noch aus einer mächtigen Betonplatte besteht ist gut vorstellbar, dass selbst sprungfähige Fische wie zum Beispiel ausgewachsene Lachse keine Chance hatten, dieses Hindernis auf dem Weg zu den alten Laichplätzen zu überwinden. Die zunehmende Verarmung der Gewässerfauna der Eiter und ihrer Nebengewässer war die zwangsläufige Folge. Mehr als verständlich ist daher das jahrelange Bemühen vor allem der Angler aus dem Raume Thedinghausen, hier für Abhilfe zu sorgen. Der Einbau unterschiedlichster Formen von Fischtreppen und anderer Aufstiegshilfen wurde geplant. Letztendlich aber mussten alle bis dahin gemachten Vorschläge wieder verworfen werden, weil entweder die Funktion des Eiterschöpfwerkes und damit die Hochwassersicherheit der gesamten Eiterniederung beeinträchtigt wurde oder weil die vorgeschlagenen Lösungen nicht die Ansprüche der gesamten Gewässerfauna abdeckten. Erst der auch wissenschaftlich belegte Nachweis der Wirksamkeit von Sohlgleiten oder Umgehungsgerinnen zeigte eine realistische Lösungsmöglichkeit auf. Da in den letzten Jahren zugleich die Artenvielfalt der Weser wegen der deutlich verbesserten Gewässergüte zunahm, wurde nun noch intensiver nach einer baulich und insbesondere finanziell realisierbaren Lösung gesucht - und sie wurde gefunden.


Wie bei derartigen Dingen wohl die Regel führten auch hier eine Idee, die notwendige Portion Mut und etwas Glück zum Ziel:

Die Idee, außerhalb des Schöpfwerks eine Sohlgleite zu errichten, wurde wohl beim Mittelweserverband geboren.

Den Mut, diese Idee in einer bis dahin finanziell ganz und gar nicht abgesicherten Vorplanung so detailliert darzustellen, dass die notwendigen Wasserrechtsverfahren durchgeführt und Geldgeber gesucht werden konnten, hatte die Gemeinde Thedinghausen.

Mit Glück kann man sicherlich die Entscheidung der Europäischen Union bezeichnen, in den Jahren 1998 und 1999 derartige Maßnahmen in dem sogenannten LEADER-II-Programm mit einem 50%-Anteil zu fördern und damit -finanziell- den Stein in´s Rollen gebracht zu haben.


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Wie funktioniert die Sohlgleite?

Unterhalb des Schöpfwerks wurde die Eiter zwischen der mittleren und östlichen Sielöffnung durch Stahlspundwände und einen mit Erlen und Weiden bepflanzten Erdwall in zwei Abflussbereiche unterteilt. Dieser so entstandene „Fluss im Fluss“ wurde mit Schotter und Boden so aufgefüllt, dass ein Flussbett mit einer im Verhältnis 1:40 sehr flach geneigten Sohle entstand, über die das Wasser möglichst langsam hinabgleitet. Die Gleite ist fast 100 Meter lang und überwindet mit dem vorgegebenen Neigungsverhältnis so den Höhenunterschied von zwei Metern. Außerdem wurden durch Störsteine und Kolke Zonen unterschiedlicher Wasserstandshöhen und Fließgeschwindigkeiten geschaffen, so dass die die Sohlgleite hinaufschwimmenden oder -kriechenden Gewässerbewohner immer wieder ruhigere Bereiche vorfinden, in denen sie neue Kraft für ihren ja immer noch beschwerlichen Aufstieg sammeln können.

Unter Berücksichtigung der über Jahre beobachteten Abflussereignisse wurde die Gleite so gestaltet, dass das Wasser der Eiter an fast allen Tagen des Jahres nur über die Gleite abführt wird. Nur bei größeren Wassermengen springt der bisherige Überfall wieder an. Natürlich war es nicht möglich, diese ökologische Durchgängigkeit auch dann sicherzustellen, wenn die Weser Hochwasser führt, da dann ja alle Sieltore geschlossen sein müssen. Da ein solches Hochwasser in der Regel aber nur im Winter eintritt und die Aktivitäten von Fischen und Wirbellosen dann ohnehin eingeschränkt sind, fällt dieser funktionelle Nachteil nicht ins Gewicht.

Sanierung der Sohlgleite in 2015

Im August 2015 wurde die Sohlgleite saniert. Da im Auslaufbereich der Sohlgleite durch Auskolkung die Strömung zugenommen hat, war es den schwimmschwachen Arten im Gewässer nur schwer möglich die vorhandene Sohlgleite hinaufzuwandern.

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Zusammen mit dem Fischereiverein Thedinghausen, welcher auch die Finanzierung übernommen hat, wurde die Sohlgleite um 35 m verlängert und hierdurch das Längsgefälle und die Strömungsgeschwindigkeit im unteren Drittel der Sohlgleite verringert.


Autor:

Dipl.-Ing. Georg Kranefoed
Dipl.-Ing. Thomas Henrichmann
Mittelweserverband
Hermannstr. 15, 28857 Syke